Danke, aber nein danke.

Vor kurzem fragte mich ein Gast im Nachgespräch, ob ich denn auch schon mal ein Spiel mit einem Interessenten ablehne. Klar, erklärte ich, glücklicherweise ist das nicht sonderlich häufig nötig, aber es kommt vor. Wir plauderten etwas länger über dieses Thema, und später sinnierte ich dann allein noch eine Weile weiter: Aus welchen Gründen habe ich in der Vergangenheit Sessions nicht durchführen wollen? Und was hat mich dazu gebracht, selbst manch lukrativen Stammgast irgendwann nicht mehr zu treffen?

  • Der offensichtlichste Grund: Unsere Vorlieben passen nicht zusammen. Dass ich eine Anfrage deswegen ablehnen muss, kommt selten vor, da meine Homepage bereits ausführlich beschreibt, welche Art Session mir liegt und welche nicht. Sollte mich trotzdem jemand anschreiben, dessen Phantasien ich nicht erfüllen möchte, verweise ich nach Möglichkeit an eine Kollegin, die die entsprechenden Wünsche eher umzusetzen bereit ist.
  • Manchmal sind die Praktiken weniger das Problem als die gewünschte Atmosphäre in der Session. Passiv bin ich nunmal keine devote Sklavin – ein solches Rollenspiel kann Spaß machen, aber nur so lange, wie ich das Gefühl habe, dass mein Gegenüber sich des Unterschiedes zwischen Phantasie und Realität bewusst ist. „Echte“ submissive Hingabe lässt sich bei mir nicht buchen, und ausserhalb meines masochistischen Wohlfühlbereiches „quälen“ lasse ich mich auch nicht.

    Auch als Aktive gibt es Rollen, die ich nur in Ausnahmefällen authentisch füllen kann – zum Beispiel finde ich es furchtbar anstrengend, meinen Spielpartner eine Stunde lang im Befehlston herumzukommandieren. Einige wohldosierte harsche Töne sind gelegentlich nötig und abgebracht … aber am liebsten bin ich meinem Opfer nahe genug, um ihm bedrohliche Botschaften gefährlich leise ins Ohr flüstern zu können.

    Solche Nuancen sind schwer zu kommunizieren, und manchmal lasse ich es darauf ankommen, nehme den „Auftrag“ trotzdem an und gebe mein Bestes, und erstaunlicherweise wollen mich auch solche Gäste immer wieder buchen. Was mich gelegentlich zur Verzweiflung treibt – besonders, wenn sie menschlich wirklich nett sind und bei einer anderen Kollegin so viel besser aufgehoben wären, was sie mir aber leider oft nicht glauben wollen.

  • Alkohol und Drogen gehen gar nicht. Punkt. Nicht vor der Session, und schon gar nicht währenddessen. Einmal musste ein Kandidat mitten im Spiel „furchtbar nötig zur Toilette“ … und kam mit glasigem Blick zurück, zugedröhnt von was auch immer er vorher im Badezimmer deponiert hatte. Er flog umgehend raus und hat seitdem Hausverbot.
  • Realitätsverlust gibt es in verschieden schweren Stadien, habe ich inzwischen gelernt. Über schwach ausgeprägte Fälle kann ich gelegentlich hinwegsehen, spätestens aber, wenn der Gast durch übergriffiges Verhalten jenseits aller klar erklärten Tabus „eine Strafe provozieren“ möchte, und sich bei der anschließenden Aufforderung, sich nun bitte anzuziehen und das Studio zu verlassen, laut schreiend hinter das Bett auf den Boden wirft, sieht es bezüglich weiterer gemeinsamer Sessions schlecht aus.
  • Es gibt Leute, die mit ihrer Neigung in einem Maße nicht im Reinen sind, dass ich nach einem Spiel das Gefühl habe, derjenige hat einen Eimer Müll über uns beide ausgekippt. Sie schämen sich für ihre Wünsche und Phantasien und übertragen diesen Ekel vor sich selbst auf mich. Grauenhaft. Ich kann niemandem etwas gutes tun, der mich dafür hasst, dass ich ihm geben kann, was er will. Danke, aber nein danke, wir beide treffen uns sicher nicht wieder.
  • Chronisch unorganisierte Menschen, die jeden zweiten Termin absagen, dann unangemeldet vor der Tür stehen, aber keine zwanzig Minuten warten können, und die beim nächsten Versuch eine dreiviertel Stunde zu spät erscheinen, können das bis zu einem gewissen Grad dadurch ausgleichen, dass sie mich auch für die „Bereitschaftszeit“ bezahlen, in der sie vielleicht (vielleicht aber auch nicht) vorbeikommen könnten. Da dies aber selten jemand tun möchte, und ansonsten meine Laune in einem Zustand ist, der eine entspannte Begegnung sowieso nicht möglich macht, verzichte ich hier meist lieber, zum Besten aller Beteiligten.
  • Es gibt ein Maß an sozialer Inkompetenz und Merkbefreitheit, das auch durch Geld und gute Absichten nicht zu kompensieren ist. Der junge Mann, der mit niemandem sonst über seine Phantasien sprechen kann und mich mit Inbrunst für seine beste Freundin hält, der fröhlich über jede meiner professionellen Grenzen latscht, subtile Signale wie eine weggeschobene Hand oder ein Wegdrehen im Spiel komplett ignoriert und bei DefCon drei („lass das bitte, das mag ich nicht“) verdutzt bohrt, „aber warum denn nicht!?“ ist … anstrengend. Manchmal zu anstrengend, insbesondere, wenn er mich häufiger aufsuchen möchte. Einerseits tut mir sowas in der Seele weh, andererseits kann ich weder eine Partnerin noch eine Therapeutin ersetzen, und irgendwann sind mir meine eigenen Nerven näher und ich trenne mich.
  • In eine ähnliche Kategorie fällt Altersstarrsinn. Ich habe wirklich entzückende Gäste in einem Alter von siebzig aufwärts, gar kein Thema, aber ich hatte auch schon einen älteren Herren im Studio, der auf meine wiederholte Ermahnung, aus Diskretionsgründen nicht im Flur herumzulaufen, während ich mich für die Session umziehe, nur antwortete, „aber das macht mir doch nichts aus, wenn ich da jemand anderen treffe.“ Und spätestens wenn ich anfangen muss zu überprüfen, ob das Waschbecken bzw. die Dusche vor dem Spiel auch wirklich benutzt wurde, wie ich es mir explizit erbeten hatte, ist Schluss.
  • Ein allzu großes Missverhältnis von Ansprüchen zu Budget ist auch für mich frustrierend. Schnäppchenjäger, die beispielsweise für eine längere Session „mit ganz viel Liegezeit, während der du dich ja auch mit anderen Gästen beschäftigen kannst“ wenig bezahlen möchten, dann aber bei jedem Überprüfen der Befindlichkeit in einer Fesselung penetrant um Aufmerksamkeit und zusätzliche Bespaßung kobern, bekommen je nach Tagesform entweder spontan ein ausgesprochen unerotisches Verkaufsgespräch (hey, er hat damit angefangen) oder die freundliche Aufforderung, sich eine andere Dienstleisterin zu suchen.

Falls das nicht schon deutlich wurde – diese Liste besteht aus Ausnahmefällen. Die allermeisten meiner Gäste und Gespielen kratzen nicht einmal entfernt an einer dieser Kategorien. Macht euch bitte nicht allzuviele Sorgen. 😉

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