Werbeportal mit Unterhaltungswert

Seit knapp zwei Wochen inseriere ich auf Empfehlung einer Kollegin in einem bekannten Hamburger Erotik-Werbeportal. Der Großteil der dort vertretenen Damen sind „normale Modelle“, die ihrer Tätigkeit in Appartments und Clubs nachgehen, es gibt aber auch Unterverzeichnisse für aktive und passive Bizarr-Profis. Die Website scheint ausserordentlich gut besucht zu sein.

Und was soll ich sagen: Seit ich vor vielen Jahren aufgehört habe, in der Tagespresse zu inserieren, hatte ich nicht mehr so viele amüsante Unterhaltungen am Telefon. Anale Jungfrauen, die dringend Bekanntschaft mit meinem Strap-on machen möchten – ob ich ihnen nicht einmal kurz vorab beschreiben könne, wie so etwas vor sich geht, damit sie ihre Schüchternheit endlich überwinden können? Gummi-TV-Huren, die für mich anschaffen gehen und mir jede Menge Geld einbringen wollen. Ein Liebhaber von Fütterungsspielen, der leider schon zu fett sei, durch meine Studiotür zu passen – ob ich damit wohl ein Problem hätte? Strikt heteorosexuelle Sklaven, die von mir unter Folter gezwungen werden müssen, einen meiner gut bestückten privaten Liebhaber oral zu befriedigen – am nächsten Tag hat derselbe Anrufer (der sich selbstverständlich vorher noch nie mit mir unterhalten hat!) einen enorm gebauten schwulen Hengst im Internet aufgerissen, ob ich ihn wohl zwingen könne, sich von diesem ohne Kondom hart in den Arsch f… zu lassen?

Ihr lieben kreativen Anrufer und Geschichtenerzähler: ich fühle mich wirklich bestens unterhalten. Ich hoffe nur, mein schwer zu unterdrückendes Kichern hat nicht denselben Effekt wie ein „Ist das etwa alles?“ für den Exhibitionisten im Park. Ich möchte euch ja keinesfalls den Spaß verderben. Und sollte einem ernsthaften Interessenten meine derzeitige übergroße Heiterkeit am Telefon aufgefallen sein, so versichere ich euch: Ich habe nichts getrunken, wirklich. Ich hatte nur kurz zuvor eine exzellente Comedy-Vorstellung. 😀

3 Comments:

  1. Liebe Undine,

    gehen wir einmal davon aus, daß bei diesem Werbeportal die Farbe Rosa eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Ich habe dort auch gestöbert. Sowohl bei den Bizarr-Profis als auch bei den „normalen Modellen“. Als Anmerkung sei mir gestattet, daß ich im Umkehrschluß die Bizarr-Profis nicht für unnormal halte.

    Ich habe mich selten in meinem Leben für meine Spezies so heftig fremd geschämt, wie beim Lesen oder entziffern der Wortmeldungen in den entsprechenden Gästebüchern der Damen. Angebot, Nachfrage und der einhergehende komplette Ausschluß von „safe, sane, consensuel“ gehören dort zum Tagesgeschehen. Aus unseren Gesprächen und Deinem Blog bezgl. „SSC“ gehe ich davon aus, daß uns beiden dabei Angst und Bange wird, was für tickende Zeitbomben unterwegs sind. Auch wenn Du es lustig findest, was die Herren am Telefon von sich geben, so muß ich feststellen, daß der Hirnfraß bei einigen Schwanzgesteuerten bereits sehr weit fortgeschritten ist.

    Ich wünsche Dir allzeit niveauvolle Begegnungen, Spaß und ein glückliches Händchen mit Deinen Gästen.

    Herzliche Grüße
    Jorgo

  2. Lieber Jorgo,

    bis zu den Gästebucheinträgen der diversen Kolleginnen bin ich bisher noch gar nicht vorgedrungen, und wenn ich mir das so anhöre, habe ich wohl nicht viel verpasst. Ich werde mir die Entwicklung jetzt die verbleibenden zweieinhalb Monate anschauen und dann entscheiden, ob ich das Inserat verlängere – solange sich ab und an auch ein passender Interessent zu mir verirrt, soll es mir ja recht sein, mein Gespür für „Spaßanrufer“ und meine Filterkriterien sind durch lange Erfahrung so gut, dass ich wirklich drüber lachen kann, weil es mich weder finanziell noch emotional tangiert. Brutal ist sowas hauptsächlich für junge Kolleginnen, die sich bei jedem Anruf Hoffnungen machen, anderen Interessenten absagen, und am Ende kommt nicht einer von zehn Terminen zustande.

    Ich habe mich neulich mit einer Kollegin unterhalten, die bei fest vereinbarten Terminen ohne Erscheinen des Gastes regelmäßig Strafanzeige wegen Leistungsbetrugs stellt. Durch diese Anzeige erhält sie, egal wie der Ausgang des Verfahrens sein mag, auf jeden Fall erst mal Namen und Adresse des Anrufers und schickt eine Rechnung über ihren Verdienstausfall, und ggf. noch eine Mahnung hinterher, auf der dann ganz zufällig noch im Sichtfenster des Briefes „Zahlungsausfforderung / Prostitution“ steht. Damit bekommt sie erstens meist ihr Geld und ist zweitens ihren Kolleginnen eine große Hilfe, denn so ein Typ überlegt sich gut, ob er das nochmal machen möchte.

    Gruß,
    Undine

  3. @Jorgo

    Die Einträge in den Gästebüchern werden vor Veröffentlichung auf diffamierende, beleidigende und nicht jugendschutzkonforme Texte und Inhalte gefiltert.

    Erschreckend ist, was dann immer noch alles übrig bleibt. *kopfschüttel*

    Undines Aussage kann ich 100%ig zustimmen. Auch mein Gespür für Spaßanrufer hat sich im Laufe der Jahre gut entwickelt, ich falle sehr selten auf Faker herein.
    Für unerfahrene Kollegin ist so ein Werbeportal ein Alptraum!

    Und trotz der Erfahrung fällt es auch mir manchmal schwer, beim 20. Deppenanruf noch die Contenance zu wahren.

    @Undine
    Halte durch…es wird ruhiger, je länger man dort inseriert

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