„Erotische Hypnose“ von R.

„Du kannst gleich durchgehen ins Bad“, heißt es vertraut an der Gegensprechanlage. Ich finde eine Augenklappe und Handfesseln und entsprechend bereite ich mich nach der Dusche auf Dein Kommen vor, in angemessener Körperhaltung. Du begrüßt mich nach kurzem Schweigen mit leisen Worten und sanften Berührungen, stimmst mich ein auf das Kommende, mir Unbekannte, und legst mir eine Hodenfessel an. Mit dem eingeklinkten Führungsband bringst Du mich ins Spielzimmer und dirigierst mich in eine bequeme Bauchlage auf Deinem Bett, die Arme liegen neben mir. Leise Musik.

Und noch bevor ich mir Gedanken über das Weitere machen kann, lädst Du mich ein, weiter zu entspannen, denn ich sei an einem sicheren Ort. Ich kann mich im Detail nicht mehr an die einzelnen Inhalte Deines unermüdlichen Redeflusses erinnern, nur, dass Deine leicht monotone ruhige Stimme, unterbrochen von vereinzelten Höhen und Tiefen, mich schnell in eine tiefe Entspannung bringt, gefolgt von einem tranceartigen Zustand, den ich in dieser Form noch nie erlebt habe. Es ist ein angenehm entspanntes Gefühl im Kopf und einem unendlich schweren Körper – ich kann nicht einmal die Arme bewegen – auch dann nicht, als ich testweise versuche, eine motorische Aktivität zu initiieren. Ist das die Fesselung, von der Du in Deinem Blog geschrieben hast? Nun ja, sie ist äußerst effektiv!

Dann scheinst Du selbst testen zu wollen, wie weit Du mich getragen hast, und forderst mich zu Bewegungen auf, die ich allesamt nicht ausführen kann, ich bin fixiert, völlig ohne äußerliche Fessel. Panik? Nein. Erstaunen und das Vertrauen, bei Dir in sicheren Händen zu sein! Ich spüre, dass ich kein Gefühl für die verstrichene Zeit habe und weiterhin empfangen meine Ohren eine ununterbrochene Wortkette, deren Zusammenhänge ich nicht erkenne, die aber wohlig schmeichelnd direkt in mein Hirn zu ziehen scheinen.

Dabei massierst Du meinen Rücken, benutzt dazu Öl, streichelst sanft meine Haut. Du weißt, wie Du mich erregen kannst, als sich Deine Finger meinem Anus zuwenden, und ich versuche, Dir meinen Po entgegenzustrecken, was bei der unendlichen Schwere meines Körpers nur zentimeterweise gelingt. So fühlt es sich jedenfalls an.

Dann lässt Du von mir ab und sagst, dass Du mich kurz verlassen würdest. Es wird stiller im Zimmer, nur die leise Musik ist zu hören. Mein Körper ist schwer wie Blei und ich warte einfach geduldig auf Deine Rückkehr, ohne ein Gefühl für Zeit. Es geht mir gut.

Als Du zurück bist, entfernst Du die Handfesseln, sie sind offenbar nicht mehr nötig. Du erklärst mir, dass Du mich erwecken willst, aber nur scheinbar, damit ich den Zustand der Bewegungsunfähigkeit verlöre und gibst mir weitere detaillierte Anweisungen, was ich dann zu tun hätte. Ich habe das Gefühl, nahezu grenzenlos aufnahmefähig zu sein und jede Anweisung genau memorieren zu können: Nach einer Verehrung und Massage der Füße solle ich mich langsam den Unterschenkeln und Oberschenkeln zuwenden und schließlich meine Gebieterin oral befriedigen. Die Augenklappe dürfe ich nicht entfernen. Du würdest bis „drei“ zählen und bei „drei“ solle ich mich aufrichten und meinen Dienst verrichten. Du zählst wirklich bis „drei“ und ich glaube, es ist eine Berührung an der Stirn, die mir auf einen Schlag die Bewegungsfähigkeit zurückgibt. So, wie wenn man einen Lichtschalter betätigt, fühle ich den Tonus meiner Muskulatur und richte meinen Oberkörper auf. Strange!

Außerdem fühle ich mich sehr wach und aktiv, aber auch seltsam, wie kontrolliert. Ich taste nach Deinen Füssen und beginne, Deine Füße zu liebkosen und – obwohl ich nicht gerade ein Fußfetischist bin – gefällt es mir, auf unterschiedliche Weise ausführlich Deine Fusssohlen, die Zehen und Sprunggelenke zu streicheln und zu drücken. Irgendwann gehe ich zu den Unterschenkeln über und wage eine Berührung mit den Lippen. Vielleicht habe ich kein Gefühl für Zeit und habe mich verzettelt, denn Du fokussierst mich recht zielstrebig auf die erste Berührung Deiner Schamlippen mit meiner Zunge und ich genieße die Freiheit, mit der ich mich Dir zuwenden darf. Immer wenn meine Zunge sich Deiner Klitoris zuwendet, bin ich versucht, meinen rechten Zeigefinger angefeuchtet auf Deine Scham zu legen und Dir mit kleinen kreisenden Bewegungen einen zusätzlichen Stimulus am Introitus vaginae zu geben, ohne primäre Absicht, mit dem Finger tiefer eindringen zu wollen. Aber warum tue ich es nicht einfach? Sind es die mächtigen Restriktionen durch Dein Wort, die ein Abweichen von Deinen Vorgaben nicht zulassen? Oder will ich nur eine Störung dieses wunderschönen Augenblicks vermeiden, in der Sorge, dass Du eine solche Berührung als ungewollte Übergriffigkeit betrachten könntest?

Ich werde es nie wissen. Ich genieße es, wie Du mich gewähren lässt, mich um Dein Wohlbefinden zu kümmern, nicht nur mit Lippen und Zunge, sondern auch mit meinen Händen. Die Linke oberhalb Deines Schambeins übt leicht fixierenden Druck aus und die Rechte greift zu Deiner Fusssohle, der Innenseite des Oberschenkels und zur Leiste. Und obwohl ich Deine Lieblingsberührungen nicht kenne, gibst Du mir keine Handlungsanweisungen, abgesehen von der letzten Phase, als Du lauter wirst, Dich dabei streckst und anschließend entspannst.

Oh meine Göttin, wie liebe ich es, Dir so dienen zu dürfen!

Ich habe dann meine Aktivität reduziert auf zärtliche Mundberührungen Deiner empfindlichen Stellen, bis etwas für mich völlig Unvorhergesehenes eintritt: Eine Berührung meiner Stirn nimmt schlagartig jeden Tonus aus meiner Muskulatur, ich sacke zusammen, erneut schwer wie Beton und mein Kopf fällt schwer auf Dein Schambein. Ist es Zufall, dass meine Lippen jetzt Kontakt zu Deinen Schamlippen haben? Ich bin unfähig, sie zu lecken und genieße es einfach, wie ein Baby diesen engen Kontakt haben zu dürfen.

Aber dann geht plötzlich alles ganz schnell: Du kündigst ein erneutes teilweises Erwecken an und programmierst mich darauf, das Bad zu nutzen und beim Weggehen die Wohnungstür hinter mir schließen. Durch das Licht und den Windhauch der Strasse nach Verlassen des Hauses würde ich vollständig den Trancezustand ablegen. Kaum habe ich mich erhoben, da klinkst Du schon das Führungsband in die Hodenfessel, führst mich ins Bad – meine Augen sind noch bedeckt – und verabschiedest mich mit den Worten: „Dein nächster Orgasmus gehört mir“! Ich erinnere diesen Satz.

Dann bin ich allein. Es fühlt sich ein wenig kühl an, dieser plötzliche Entzug von emotionaler Zuwendung. Was sagt denn der relativ zuverlässige Gradmesser meiner Geilheit zu diesem abrupten Ende? Er hängt, passend zu meiner Befindlichkeit. Gleichzeitig spüre ich nicht das Gefühl sexueller Frustration, merkwürdig. Was ist mit mir los?

So verlasse ich nach der Dusche Wohnung und Haus, bin im hellen Sonnenlicht, dem Trubel der Stadt und ein Windhauch ist ebenfalls zu spüren. Ich bin wach, orientiert – und irgendwie rastlos, ohne Ziel. Ich schaue zur Uhr, es ist 14:20h. 15 Minuten später bin ich am Hauptbahnhof, weil ich planlos durch das Viertel gegangen bin, und beschließe, durch die Mönckebergstr. zur Alster zu gehen und aufs Wasser zu schauen. Durch die Betriebsamkeit der Einkaufsstrasse schaue ich hindurch, es gelingt mir nicht, die Ereignisse der letzten 2 Stunden einzuordnen. Dabei fühle ich mich recht leicht und dankbar für das Besondere, an dem ich teilhaben durfte. Der Blick aufs Wasser nützt nicht viel und bis zur Schlafenszeit erlebe ich tagtraumhaft Rückblenden unserer gemeinsamen Stunde, wieder und wieder. Die zum Einschlafen nötige geistige Ruhe erreiche ich nur durch Selbstbefriedigung, und ohne Frage gehört der Orgasmus Dir, genau so, wie Du es mir gesagt hast.

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